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2020: Glücksspiellizenz erhalten – Ein Überblick aus Malta

Glücksspiele gibt es schon seit Jahrtausenden. In seiner Form könnte es dabei unterschiedlicher nicht sein, denn allein die Liste der Kategorien wie Kartenspiele oder Würfelspiele ist endlos lang. Im Laufe der Geschichte hat sich der Schauplatz dieser Spiele aber auf einen Ort verlagert, welchen wir heute Casino nennen. Im weiteren Verlauf und mit der Erfindung des Internets und dessen rasenden Entwicklung hat sich der Ort des Geschehens erneut verlagert: ins Internet.

Online-Glücksspiel als riesiger Markt

Die Verlagerung ins Internet war schon lange prognostiziert worden und das Onlineglücksspiel erreicht mit seinen 39 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr zwar noch nicht den des klassischen Glücksspiels (ca. 329 Mrd Euro), müsste ich wetten, würde ich jedoch darauf setzen, dass der Onlinemarkt eines Tages größer sein wird als der lokale Markt.

Bedeutung der Glücksspiellizenzen für Malta

In Malta floriert das Geschäft von Online-Casinos besonders. Das hat drei Gründe:

  1. Die niedrige Effektivbesteuerung einer Malta Limited
  2. Der niedrige Steuersatz auf Glücksspiele
  3. Die juristisch guten Voraussetzungen für Onlineglücksspiel

Die Bedeutung des Glücksspiels ist dabei für Maltas Wirtschaft sehr groß. Mit 12% Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat Glücksspiel einen 11 Mal höheren Anteil am BIP als EU-Durchschnitt (Stand 2014). Gerade was die Vergabe der Glücksspiellizenzen angeht, ist Malta im Vergleich zu seinen EU-Partnern wesentlich offener. Auch was den Preis der Lizenz angeht, kommt man in Malta vergleichsweise besser weg.

Glücksspiellizenzen in Deutschland

Besonders deutlich wird der Vorteil im Vergleich zu Deutschland: In den meisten Bundesländern werden überhaupt keine Genehmigungen vergeben. Diese Tatsache beruht auf dem Glücksspielstaatsvertrag aus dem Jahr 2007. Dieser sieht vor, dass das Monopol auf Glücksspiel beim Staat liegt. Der Vertrag ist zwar Ende 2011 wieder außer Kraft getreten, aber lediglich Schleswig-Holstein hat daraufhin seinen Umgang mit Glücksspiellizenzen verändert und vergibt seitdem wenige Genehmigungen an Bewerber. Was vielen sicherlich noch nicht bekannt ist: Nach Ablauf des alten Staatsvertrags wurde ein neuer aufgesetzt, der die Monopolstellung des Staates weiter aufrecht erhält, jedoch weniger strikt wie bisher. In einem aktuellen Vergabeverfahren sollen nun aber 20 Lizenzen vergeben werden. Jedoch ist bis heute (Dezember 2017) noch keine Vergabe geschehen, da es im Konzessionierungsverfahren mehrere Fehler gab, gegen die leer ausgegangene Bewerber erfolgreich geklagt hatten. Insbesondere die von der EU geregelte Wettbewerbsfreiheit wurde im Vergabeverfahren nicht beachtet.
Ähnlich ist dies übrigens in den meisten anderen EU-Ländern. Bis auf wenige Ausnahmen, darunter Malta, liegt das Glücksspiel-Monopol beim Staat, was es Unternehmen unmöglich macht, dort eine Glücksspiellizenz zu erhalten. Italien ging sogar soweit, dass das Nutzen ausländischer Glücksspielservices unter Strafe verboten war, ehe der europäische Gerichtshof das Gesetz für nichtig erklärt hatte.

Glücksspiellizenz: In 4 Kategorien gestaffeltes Lizenzsystem

Das Lizenzsystem in Malta ist in 4 Kategorien unterteilt. Je nach Angebot des Anbieters wird eine oder eine Kombination verschiedener ausgestellt. Folgende Infografik visualisiert die verschiedenen Lizenzklassen:

Lizenzklassen für Glücksspiel aus Malta
Maltas Lizenzklassen für eine Glücksspiellizenz erklärt. © Philipp Sauerborn, Verbreitung nur mit Genehmigung
  • Class 1: Remote Gaming Licence. Diese Lizenz muss beispielsweise von Anbietern mit casinoähnlichen Spielen beantragt werden. Genauso fallen Onlinelotterien unter diese Kategorie.
  • Class 2: Remote Betting Licence. Eine Lizenz, die sich an Wettanbieter richtet.
  • Class 3: Diese Lizenz ist vor allem für Unternehmen gedacht, die Spiele und Wetten zu festen Quoten und Spieleinsätzen anbieten. Diese Lizenz nutzen hauptsächlich Onlinepoker-Anbieter.
  • Class 4: Host Licence. Diese Lizenz richtet sich nicht direkt an Glücksspielanbieter, sondern an Unternehmen, die die Plattform (bspw. Server) für den Onlineservice bieten.

So viel kostet eine Glücksspiellizenz aus Malta

Neben der in der Grafik genannten Kosten, die vor allem auf dem Umsatz basieren, werden bei der Bewerbung für eine Glücksspiellizenz in Malta noch weitere Beträge von der Malta Gaming Authority in Rechnung gestellt. Auch diese Beträge habe ich in einer Infografik zusammengestellt:

So viel kostet eine Glücksspiellizenz aus Malta

An keinem Ort in Europa ist es attraktiver, einen Onlineglücksspielservice anzubieten, als in Malta. Sowohl durch die guten Grundvoraussetzungen die das Land international agierenden Unternehmen bietet, als auch durch die attraktive steuerliche Handhabung einer Firma in Malta. Sollten Sie mit dem Plan spielen, einen Onlineglücksspielservice ins Leben zu rufen oder mit Ihrem Unternehmen zu expandieren, dann können Sie mir gerne eine Nachricht schreiben. Gemeinsam werden wir dann Ihre Pläne analysieren und erörtern, ob und wenn ja, in welcher Konstellation Malta für Sie Sinn machen kann. Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören.

 

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Über Philipp M. Sauerborn

Philipp Maria Sauerborn ist Berater und Steuerexperte und lebt seit 9 Jahren in Malta. Er ist CEO der Kanzlei Dr. Werner & Partner und CEO des FinTech Unternehmens aPay. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen International Tax, sein Investoren-Netzwerk sowie Krypto & Blockchain.

10 Kommentare

  1. Hallo Herr Sauerborn,

    Ich hoffe Sie können mir meine Frage beantworten, ich habe Art online Lottospiel was ich gerne verwirklichen möchte.
    Welche Schritte z.B.: Projektplanung, Rechte , Umsetzung usw muss ich einleiten um an meinem Ziel zu gelangen.

    • Hallo Herr Barilaro,
      fundamentale Schritte zum Unternehmertun sind denke ich an anderer Stelle bereits bestens erklärt, sodass ich an dieser Stelle nur zu Schritten bzgl. der Lizenz Stellung nehme: Sorgen Sie für einen ausführlich beschriebenen Business Plan, seien Sie transparent und bemühen Sie sich, Ihre Nutzerbasis ausreichend zu schützen.
      Viele Grüße
      Philipp Sauerborn

  2. Sehr geehrter Herr Sauerborn,
    bei wie viel Prozent liegt die Erfolgsquote eine Lizenz in Malta zu erlangen.

    • Hallo Herr Makan,

      das kann so pauschal nicht gesagt werden, da hierzu keine Statistik vorliegt. In der Regel lässt sich aber bereits zu Beginn einer Unternehmung sagen, ob ein Lizenzantrag erfolgsversprechend ist, da die Kriterien für die Vergabe recht klar formuliert sind.
      Viele Grüße

  3. Hallo Herr Sauerborn,

    Ich möchte demnächst ein Online Casino eröffnen. Was muss ich beachten, wie bekomme ich eine Lizenz und was kostet mich das ganze? Mich würde auch interessieren wie lange das ganze dauert und welche folgekosten auf mich zukommen? Vielen Dank im Voraus.

    • Hallo Herr Ayhan,
      die Kosten habe ich in der Infografik skizziert.
      Die Lizenz muss beantragt werden. Hier muss ein durchdachter Businessplan vorgelegt werden, die Erfüllung sämtlicher regulatorischer Anforderungen vorausgesetzt. Bzgl. der Dauer ist es ganz abhängig davon, wie vollständig Ihre Unterlagen sind und ob es seitens der Behörde etwas zu beanstanden gibt. Daher variiert die Zeit von 6 Wochen bis hin zu über einem Jahr.
      Viele Grüße
      Philipp Sauerborn

  4. Guten Tag Herr Sauerborn,

    leider kann ich hier in Ihrer Ausführung keinen Preis für die Lizenz an sich sehen. Wie hoch würde dieser zum Beispiel für eine Lizenz der Klasse III ausfallen? Eine weitere Frage wäre, hätte diese Lizenz dann EU,europaweite oder sogar weltweite Gültigkeit oder müsse man auch weitere Lizenzen erwerben um zum Beispiel Spieler aus Deutschland, Italien, Großbritannien, Skandinavien oder sogar Asien, Südamerika und den Vereingiten Staaten annehmen zu dürfen?
    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen und verbleibe hiermit

    Freundliche Grüße

    Vito Marchetta

    • Hallo Herr Marchetta,

      die Lizenzgebühren habe ich weiter unten in einer gesonderten Grafik aufgeführt. Für die Lizenz Klasse III fallen bspw. 25 000 Euro im Jahr pauschal an.
      Wegen der Gültigkeit: Nach EU-Recht sind Sie mit einer Glücksspiellizenz aus Malta dazu berechtigt, Ihren Service EU-weit anzubieten. Zwar gibt es ein eigenes Lizenzierungsverfahren in Deutschland, das liegt jedoch seit Jahren auf Eis und dort tut sich nicht viel. Was das Anbieten der Services außerhalb der EU angeht, ist die Sachlage eine andere, weil kein freie Binnenmarkt vorherrscht. Wenn das Thema für Sie relevant ist, können Sie sich gerne auch noch einmal direkt bei mir melden, dann können wir Ihr Vorhaben diskutieren.

      Viele Grüße aus Malta
      Philipp Sauerborn

  5. In meiner Eigenschaft als Berater diverse Casionos und Spielbanken frage ich höflich an, ob es nach den Blockierungen von Casino-Spielergeldern bei der SATA-Bank, ohne Vorwarnungen ausgelöst vom Finanzministerium Malta, noch sinnvoll ist, in Malta eine Casino-Lizenz zu beantragen. Es ist der Supergau für einen Casinobetreiber, wenn er durch eine Blockierung seiner Bankguthaben nicht mehr in der Lage ist, Gewinne und Guthaben der Spieler auszuzahlen. Gibts es aufgrund des SATA-Bank Skandals überhaupt Planungssicherheit? Ist der Ruf Maltas nicht längst ruiniert? Über ein kompetentes Statement würde ich mich sehr freuen. Beste Grüsse, Jürgen Wagentrotz

    • Hallo Herr Wagentrotz,

      der Effekt auf das Gaming, sowie auf die anderen betroffenen Unternehmen und Privatpersonen ist offensichtlich verheerend – langfristig und kurzfristig. Wir kennen die Hintergründe “Sata Story” nicht. Es liegt aber auf der Hand, dass es Banken in Malta gibt, die es schaffen, zu “überleben”,auch mit Gaming im Angebot, z.B. BOV, Sparkasse oder Agribank. Planungsicherheit kann auch die Diversifizierung der Bankkonten bringen – allerdings heisst das, dass für Betreiber höhere direkt und indirekte Aufwände entstehen. Der mutmassliche Grund, warum Satabank für soviele Kunden interessant war, ist wahrscheinlich der selbe, warum jetzt das Desaster entstanden ist: unzureichende Risk und Compliance. Das machte es für Kunden einfacher und damit für die Bank ertragreicher (direkt: mehr Kunden; indirekt: weniger Personal, Software, Audits usw.) aber langfristig, und das kann man an vielen Beispielen erklären, geht diese Rechnung nicht auf. Persönlich teile ich die Meinung, dass die Handhabe rund um Sata auch politisch motiviert scheint – zumindest in der Härte. Gerade nach der bereits aufgebrummten Strafe war das Thema für mich “gegessen”. Die “Zwangsübernahme” ist nicht erklärbar und ist gleichtzeit ganz sicher auch die “Green Mile” der Bank. Was “Ihre” Kunden angeht, so denke ich, sollten diese sich daran gewöhnen, höhere bzw. hohe Bankfees zu bezahlen in der Zukunft- ich sehe keinen anderen Weg aus Bankensicht – kommerziell und regulativ. Dennoch wird diese Episode eine Nachhall haben für Malta, den man auch noch in Jahren vernehmen werden kann. Die Branche und die Regulation bleibt aber m.E. weiterhin interessant, gerade mit der nun aufkommenden Crypto Szene. Darin spielen Banken irgendwann keine Rolle mehr (was nicht heisst, dass dann alles fein ist, aber es wird einfacher sein, das Risiko zu streuen).

      Viele Grüsse aus Malta
      Philipp Sauerborn


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